Rat und Tat im Goldenen Rad

Autor: Armin H. Flesch

Im alten Frankfurt gab es keine Hausnummern. Dafür hatte jedes Haus seinen eigenen Namen, der, wie im Falle Rothschild, bisweilen gar zum Familiennamen seiner Bewohner wurde. Uhrmachermeister Thomas Ebert hat für sein Handwerk ganz sicher das richtige Haus gefunden.

"Es will mer net in de Kopp enei, wie kann nor en Mensch net von Frankfort sei!" Als Walter Stolze, Lokalpatriot und der nach Goethe und den Brentanos sicher bekannteste Dichter der einst Freien Reichsstadt, seine eigenwillige Liebeserklärung schrieb, (da stand es schon seit rund 300 Jahren: Das "Goldene Rad" am Römerberg. 1944 völlig zerbombt und anfangs der Fünfzigerjahre neu aufgebaut, beherbergt die geschichtsträchtige Adresse seit 1998 den Uhrmachermeister Thomas Ebert. "Von Frankfort" ist dieser freilich nicht. Ebert kam 1966 als Sohn eines selbstständigen Uhrmachermeisters in Rostock zur Welt. 1984 begann er die Uhrmacherlehre und blieb bis Ende 1989 im elterlichen Betrieb. Mein Vater und der chronische Ersatzteilmangel der DDR waren meine Lehrmeister. Statt Werke zu tauschen, habe ich die Uhrmacherei noch von Grund auf erlernt."

Seine gründliche Ausbildung kam ihm bald zugute. 1989 öffnete die DDR ihre Staatsgrenze und Thomas Ebert ging nach Frankfurt. Dort waren schon damals gute Uhrmacher Mangelware und einer der großen Juweliere der Bankenstadt war über den Neuzugang hocherfreut. Während der nächsten Jahre kamen ihm alle Marken und Kaliber unter die Finger: Von Audemars Piguet und Blancpain, über Cartier und Ebel bis zu Omega, Rolex und Patek Philippe. "Durch diverse Schulungen bei verschiedenen Herstellern habe ich mich auf den Service von exklusiven Markenuhren spezialisiert. Parallel zu diesen Lehrgängen bestand ich im Januar 1995 die Prüfung zum Uhrmachermeister und gründete meine eigene Firma Ebert Uhren."

Was sich hier wie ein kurzer Spaziergang vom Opernplatz zum Römerberg liest, waren immerhin fünf arbeitsreiche Jahre. Aber die haben sich gelohnt. Kaum hatte Ebert sein erstes Ladenlokal in der nahen Saalgasse bezogen, meldeten sich nacheinander etliche große Schweizer Uhrenfirmen ("Die wollen natürlich nicht genannt werden."), und fragten an, ob Ebert ihren Service für Deutschland übernehmen wolle. Hinzu kamen einige Juweliere im Großraum Frankfurt und natürlich die eigenen Kunden im Geschäft an der Saalgasse. Das war bald zu klein, die Mitarbeiterzahl vom Meister bis
zum Lehrling wuchs mittlerweile auf 5, und ein Umzug wurde unvermeidlich.
Da wurde das Ladenlokal im Haus "Zum Goldenen Rad" frei, und im September 1998 zogen Ebert und seine Mitarbeiter dort ein.
Heute erledigt Ebert Uhren zwischen zweieinhalb- und dreitausend komplette Überholungen sowie ungezählte Teilreparaturen jährlich. Aufwändige Restaurationen bearbeitet Ebert in Kooperation mit seinem Darmstädter Kollegen Karel Kolar, den UHRENMAGAZIN-Leser schon als Leiter des Meisterkurses der Frankfurter Uhrmacherschule kennen.
In den vergangenen 12 Jahren ist Frankfurt zwar längst zur zweiten Heimat geworden, gleichwohl zieht es Thomas Ebert immer wieder ans Meer: Die zweitgrößte Leidenschaft des Uhrmachermeisters ist nämlich das Segeln. Und das macht auf dem Main längst nicht so viel Spaß wie auf der Ostsee.

Steckbrief: EBERT UHREN

Uhrmachermeister: Thomas Ebert

"Zum Goldenen Rad"
Römerberg 34
60311 Frankfurt am Main

Telefon 0 69/28 87 48
Telefax 0 69/9139 51 10
E-Mail info@ebert-uhren.de, www.ebert-uhren.com


Neben Uhren namhafter deutscher und Schweizer Hersteller bietet Ebert Uhren auch mechanische Uhren seiner eigenen Marke an.

Zimmer mit Aussicht: Die Fenster, hinter denen Thomas Ebert heute Uhren repariert, wurden früher zu Kaiserkrönungen an Schaulustige vermietet.

In der Werkstatt von Thomas Ebert sind selbst die kompliziertesten Uhren an der Tagesordnung.